Der Mann, der mir eben auf dem Parkplatzbereich die Vorfahrt genommen hat, steht nunmehr direkt vor mir am einzigen funktionierenden Getränkeautomaten. Sein Einkaufswagen ist mit schätzungsweise zweitausend PET-Flaschen beladen und ich vertreibe mir die Wartezeit mit dem Auswendiglernen des Sonderangebots-Flyers. Nach einer halben Stunde kann ich aufrücken. Der Automat piept mich aufmüpfig an und möchte gern von einer Kassenkraft versorgt werden. Eine schlechtgelaunte Rothaarige trippelt herbei und ich schaue ihr fasziniert beim Räumen, Zerren, Verknoten, Fluchen, Wuchten und Treten zu, was etwa eine weitere Viertelstunde dauert.

 

Endlich darf ich meine überschaubare Menge an Leergut in den dafür vorgesehenen Leergutschacht schieben. Artig mit dem Boden nach vorne, so steht es da. Gleich die erste Flasche spuckt mir das unwillige Gerät empört wieder aus und behauptet, dass es diese Sorte nicht kennt. Ich versuche es erneut, diesmal mit dem Boden von hinten, was nach einigem Drehen und Vor- und Zurückschieben seitens des Automaten einwandfrei durchgeht.

 

 Bei der zweiten stoppt die Maschine mitten in der Drehung ab, hält inne und gibt schließlich einen schmerzerfüllten Piepton von sich. Fast bekomme ich Mitleid. Ich ziehe das stillgelegte Leergut vorsichtig wieder aus dem Schacht und bemerke eine diffuse Angst, gleich in die Hand gebissen zu werden. Die nächsten drei Flaschen gehen problemlos durch, was mich übermütigerweise dazu verführt, kurz den Blick zu senken. Das hätte ich nicht tun sollen, denn meine Ablenkung ermöglicht dem Automaten einen heimtückischen Angriff, indem es die letzte Pfandbuddel in hohem Bogen wieder ausspuckt, und zwar gezielt an meine Stirn. Ich gucke böse. Das Gerät antwortet mit einem warnenden, roten Blinken. Ich bemühe mich um Deeskalation und biete 1,5 Liter stilles Wasser an.

 

Ursprünglich wollte ich rasch zwölf Stück Pfandgut loswerden und eine Flasche Averna kaufen. Jetzt bin ich abgrundtief müde und habe zudem eine Beule und Kopfschmerzen. Der Automat grinst hämisch und schluckt das Leergut, ohne es in Rechnung zu stellen. Nach weiteren zehn Minuten ist es zu guter Letzt geschafft. Aus dem Schlitz weht ein frisch ausgedruckter Leergutbon. Er macht einen eleganten Rundflug und landet schließlich direkt unter dem Automaten.

 

Ich gebe mich geschlagen, lasse den Bon Bon sein und schlendere in Richtung Likör-Regal. Die Kassiererin schüttelt bedauernd den Kopf. Die Kasse sei jetzt geschlossen, ich solle morgen nochmal wieder kommen.

 

Als ich den Laden mit gesenkten Schultern verlasse, ertönt hinter meinem Rücken ein blechernes Lachen.

Leergut-Automat

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